Friedensblog

Verhindert höhere Wahlbeteiligung rechte Parteien? Die statistische Antwort.

14.03.2016 - Keine Kommentare

Vor jeder Wahl werden die sozialen Netzwerke vollgeschrien mit Aufforderungen, wählen zu gehen, weil sonst ja die anderen gewinnen, weil die ja immer alle zur Wahl gehen. Und dann gibt es auch vermehrt laute Stimmen, die das Gegenteil behaupten: Die ganzen Nichtwähler sind unzufrieden mit der aktuellen Politik, weil sie zusehends rechtere Meinungen vertreten, und könnten wir sie zur Urne zwingen, sähen die Ergebnisse noch katastrophaler aus. Statt mitzuschreien habe ich mich jetzt dazu entschieden, mein Wissen über Statistik zu nutzen, den Zusammenhang wirklich zu untersuchen. Dazu habe ich die (vorläufigen) Ergebnisse der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz genommen und die Wahlbeteiligung (in Prozentpunkten) mit den Zweitstimmen für einige Parteien (auch in Prozentpunkten) verglichen. Heruntergebrochen habe ich es auf Wahlbezirksebene. Ich möchte leider keine Kurzfassung der Ergebnisse geben, weil diese statistisches Grundwissen voraussetzen oder den Sachverhalt grob verzerrend darstellen würden.

Eingeteilt habe ich die Parteien in superrechte Parteien (NPD, Republikaner und Der Dritte Weg), besorgte Parteien (AfD, ALFA) und allgemein rechte Parteien (beide Gruppen zusammen). Vorweg möchte ich schicken, was Korrelation überhaupt bedeutet. Eine Korrelationsanalyse untersucht, wie stark Datenpunkte mathematisch zusammenhängen. Sie kann niemals einen logischen Zusammenhang zwischen zwei Zahlen herstellen, da sie immer nur eine Aussage über bereits bekannte Zahlen trifft, aber nicht über noch zu ermittelnde Zahlen. Selbst eine perfekte Korrelation bedeutet lediglich dass wir, würden wir morgen einen Wahlbezirk finden, den wir vergessen haben auszuzählen, aus dessen Wahlbeteiligung eine gute Vermutung darüber ableiten könnten, wie das Ergebnis der rechten Parteien sein wird. Da eine Korrelationsanalyse keine Aussage über die Ursache der Zahlen treffen kann ist es sehr gut möglich, dass diese Vermutung sehr weit daneben liegen würde. Korrelation gibt lediglich einen Hinweis darauf, dass ein Zusammenhang bestehen könnte. Man kann die Zahl benutzen, um eine These zu stützen, aber niemals, um sich eine absolute Aussage aus ihr abzuleiten1. Noch dazu ist die Menge der Datenpunkte mit 51 Wahlbezirken ziemlich klein – die Aussagekraft aller statistischen Kennzahlen auf so kleine Datenmengen ist sowieso fragwürdig.

Jetzt wo das gesagt ist: Der Pearson-Koeffizient2 zwischen der Wahlbeteiligung und dem Ergebnis rechter Parteien beträgt -0,28. Betrachten wir nur die superrechten Parteien beträgt der Koeffizient -0,23, nur bei den besorgten Parteien beträgt er auch -0,28. Negative Zahlen bedeuten, dass eine Steigerung der Wahlbeteiligung mit einem Sinken der Anteile der rechten Parteien einhergeht. Zum Vergleich: Die Korrelation zwischen rechten Parteien und der Länge des Namens des Wahlbezirks, von der ja nun wirklich niemand behaupten möchte, dass ein Zusammenhang besteht, beträgt 0,09. Die Korrelation zwischen CO2-Ausstoß und Jahresdurchschnittstemperaturen, von der hoffentlich alle annehmen, dass ein Zusammenhang besteht, beträgt je nach Quelle und Periode zwischen 0,35 und 0,60. Die Stärke der Korrelation wird ausgedrückt durch den Abstand des Koeffizienten von Null, das heißt die Korrelation Wahlbeteiligung-Rechts ist stärker als Name-Rechts, aber schwächer als CO2-Temperatur. Dieser Koeffizient alleine drückt aus, dass zwischen den Zahlen wirklich ein leichter Zusammenhang besteht. Bezirke mit höherer Wahlbeteiligung hatten schlechtere Ergebnisse der rechten Parteien.

Leider ist das noch nicht die ganze Wahrheit. Versuchen wir nämlich eine Trendlinie zu ermitteln3 stellen wir fest, dass dieser Zusammenhang so nur in den niedrigeren Wahlbeteiligungen existiert. Für Wahlbeteiligungen über 72% lässt sich der genau gegenteilige Effekt feststellen: Mit steigender Wahlbeteiligung steigt auch wieder der Anteil der rechten Parteien. Ignorieren wir alle Bezirke mit einer Wahlbeteiligung unter diesen 72% beträgt der Pearson-Koeffizient 0,49. Der Zusammenhang ist nicht nur viel stärker, er ist auch in die gegenteilige Richtung, das heißt eine Steigerung der Wahlbeteiligung geht mit einer Steigerung des Stimmenanteils rechter Parteien einher.

Grafik Wahlbeteiligung-Rechts

Mit einer höheren Wahlbeteiligung den rechten Parteien entgegenzuwirken hat also bei dieser Wahl nur bis zu einer bestimmten Wahlbeteiligung funktioniert. Darüber haben mehr Wähler nur für einen noch höheren Anteil rechter Parteien gesorgt. Wie gesagt lässt sich daraus weder ein Zusammenhang herleiten noch eine Aussage für die Zukunft treffen. Aber eine These, die es viel weiter zu überprüfen gilt, bevor wir sie als richtig betrachten können, würde ich doch gerne formulieren: Eine höhere Wahlbeteiligung führt nicht automatisch zu einem schlechteren Abschneiden der rechten Parteien, weil eben nicht alle Nichtwähler etwas anderes wählen würden. Im Gegenteil legen die Zahlen sogar nahe, dass die rechten Tendenzen noch weitaus größer sind, als es die Wahlergebnisse vermuten lassen. Und dem Erstarken rechter Parteien kann man nicht mit Aufrufen zur Wahl entgegenwirken, sondern mit Ursachenforschung und -bekämpfung.

Die von mir verwendeten Daten und meine Analysen sind hier einsehbar.

  1. Es gibt sogar eine sehr lustige Website, die Korrelationen zwischen absolut nicht zusammenhängenden Zahlen aufzeigt.
  2. Ein statistisches Maß, um die Stärke einer Korrelation auszudrücken, das zwischen -1 und 1 liegt.
  3. Ich verwende ein Polynom 2. Grades

Ihr könnt schon AfD wählen, …

07.03.2016 - Keine Kommentare

… aber dann wählt ihr halt die Partei, die:

Und wenn ihr stattdessen jetzt NPD wählt seid ihr halt scheiße.

Serien und Filme, zusammengefasst 1/2016

01.02.2016 - Keine Kommentare

Star Wars Episode VII – Das Erwachen der Macht

Fanservice, überall Fanservice! Ungefähr 84% der Szenen in dem Film waren nur da, damit Leute im Publikum sitzen und schreien „HEY DAS ERKENNE ICH ZOMFG!“, aber was soll’s, schließlich waren diese Szenen immerhin gut. Nach Episode I hatte ich nur auf einen wenigstens handwerklich gut gemachten Film gehofft. Episode VII ist vielleicht ein bisschen ambitionslos, macht was er tut aber ziemlich gut und ich bekomme davon Lust die nächsten Filme zu sehen.

The Man in the High Castle – Staffel 1

Die Idee eines alternativen Universums, in dem die Achsenmächte den zweiten Weltkrieg gewonnen haben, ist etwas befremdlich, aber sehr interessant. Die Welt wurde wunderbar umgesetzt, aber leider sind ein paar der akut passierenden Handlungsstränge unnötig wirr und unübersichtlich und dann gibt es da noch dieses SciFi-Mystery-Element, das ich jetzt wirklich nicht gebraucht hätte und die in hartem Kontrast stehen zu den echt unfassbar ernsten Szenen in denen, sagen wir, eine jüdische Familie vergast wird. Das macht aber alles nichts, ist doch alleine die Handlung um Obergruppenführer John Smith spannend genug um mir die zweite Staffel ansehen zu wollen.

Scorpion – Staffel 1

Die Pilotfolge war dumm auf einem Niveau, das ich für kaum möglich hielt, deshalb habe ich mir daraus einfach abgeleitet, dass der Rest auch nicht besser ist. Die Wahrheit ist einfach, dass man in einem realistischen Szenario keine Charaktere schreiben kann, die klüger sind als man selbst. Hat man nicht Horden von Beraterinnen und Beratern hinter sich stehen ist die Intelligenz der Autoren das harte Limit. Deshalb sind schon die Hauptcharaktere in Scorpion nicht so die Überflieger, sehen aber besonders klug aus, weil alle um sie rum ununterbrochen grenzdebilen Müll reden. Dass die Charaktere ständig unfassbaren Quatsch getechnobabbelt haben bei einem Thema, mit dem ich mich zufällig auskenne, hat es auch nicht leichter zu ertragen gemacht. Dreht doch wenigstens einen Science-Fiction-Film wenn ihr euch nicht die Mühe machen wollt wirklich herauszufinden wie Computer funktionieren, aber unbedingt einen Plot um sie konstruieren wollt.

Rick and Morty – Staffel 1

Von kaum einer Serie die ich nie gesehen habe hab ich so viel Gutes gehört. Und naja, ja, es ist unfassbar lustig wenn man auf ganz leicht absurde Handlungsverläufe steht. Aber ernsthaft, was ist das mit dem Gerülpse? Ich bin keine 12 mehr, der Witz ist nicht lustig und ich denke jedes einzelne Mal dass es gerade einen durchaus amüsanten Satz unnötig unterbrochen hat. Abgesehen von diesem einzigen Mal, wo ich es wirklich lustig fand. Schlechte Körperfunktionswitze hätte die Serie eigentlich nicht nötig gehabt.

Rick and Morty – Staffel 2

Das wussten die Macherinnen und Macher offenbar selbst und haben das Gerülpse in Staffel 2 auf ein absolut erträgliches Niveau reduziert und sie taten gut daran.

Sleepy Hollow – Staffel 1

Die Serie hat inkonsistent agierende Figuren, einen Plot schlimmer als der von Assassin’s Creed und ein paar ernsthafte Pacing-Probleme in der Mitte der Staffel. Aber naja, ich muss gestehen: Ich mag es. Es ist bescheuert auf genau die Art, um das Maximum an Aussetzung meiner Ungläubigkeit auszulösen und es mich absolut abfeiern zu lassen, dass George Washington wortwörtlich ein Freimaurerzombie sein und gegen die Heerscharen der Hölle gekämpft haben soll. Tut mir leid.

The 8H8ateful 8Eight5

Gefühlt hatten wir das Ende von Tarantino schon bei Death Proof miterlebt, mit Inglourious Basterds und Django Unchained sind dann aber seine vielleicht besten Filme erschienen, also haben wir wahrscheinlich erst jetzt Peak Tarantino erreicht. Ich habe im Vorfeld gesagt The Hateful Eight sei zwar ein Film der grundsätzlich davon handelt dass acht Leute in einer Hütte eingesperrt sind, aber es halt auch die acht Schauspieler seien denen ich dabei zusehen möchte und Tarantino der Filmemacher sei der das schaukeln kann. Aber leider ist das dann ein Film, in dem der eigentlich spannende Teil – die Ungewissheit wer auf wessen Seite steht – ziemlich kurz kommt und der stattdessen unnötig langatmige Exposition auch gerne mitten im Film zeigt. Bei dem Versuch, das mit Humor etwas weniger trocken zu präsentieren, machen mit Jennifer Jason Leigh, Tim Roth und Walton Goggins leider nur drei statt acht Schauspielern eine wirklich gute Figur. Der Film ist nicht wirklich schlecht, er ist nur weitaus mittelmäßiger als ich gehofft habe. Aber naja gut, sind wir hoffnungsvoll, es muss schließlich einen zweitschlechtesten Film geben. Außerdem hat es mich ununterbrochen angefressen, dass sich zu keinem Zeitpunkt, egal wie man zählt, acht Personen in der Hütte befanden.

UML Cheat Sheet

22.07.2015 - Keine Kommentare

Schon vor zwei Jahren habe ich für die Studenten in der von mir geleiteten Übung ein Blatt mit einer Übersicht über die wichtigsten UML-Diagramme erstellt. Das ist mittlerweile in den Untiefen des Internets verschwunden und ich finde es wahrscheinlich selbst nicht mehr, aber das macht nichts, denn in diesem Jahr habe ich eine Aktualisierung vorgenommen. Sie ist bestimmt für viele Leute interessant die gerne ein Diagramm zeichen würden und sich nicht mehr an die Konventionen erinnern. Ein Teil der Originalversion für die Studenten habe ich entfernt, weil der genau genommen nicht wirklich von mir ist. Viel Spaß.

UML Cheat Sheet V2 Redux

Brettspiele für Zwei

17.07.2015 - Keine Kommentare

Als Spezialexpertologe in solchen Dingen wurde ich bei Twitter beschworen, um Brettspiele für zwei Spieler zu empfehlen. 140 Zeichen sind für sowas ziemlich kurz und vielleicht interessiert es ja auch anderen Leute.

Brettspiele für zwei Spieler

Jaipur

Kartenspiel um Warenhandel mit viel Strategie. Geht etwas auf das Gedächtnis, weil nicht alle bekannten Informationen auch bekannt bleiben und man sich damit einen Vorteil verschaffen kann. Das kann man vielleicht nicht mögen.

Twilight Struggle

Es ist ziemlich groß und ziemlich komplex und laut BGG das beste Brettspiel der Welt. Das kann ich so bestätigen, es ist wirklich richtig gut. Die Anleitung ist grauenhaft.

Lost Cities

Kartenlegespiel. Gibt es auch für iOS. Das für iOS ist ziemlich gut. In der Hand hatte ich es noch nie. Ich hab mir sagen lassen die Punkte auszuzählen wäre nicht so lustig.

Der Herr der Ringe: Das Kartenspiel

Living Card Game mit LotR-Thema. Im Gegensatz zu Android: Netrunner kooperativ und dadurch auch alleine spielbar. Macht natürlich mehr Spaß wenn man sich zum Basisspiel noch ein paar Erweiterungen kauft, damit man überhaupt mal mit Deckbau anfangen kann.

Brettspiele für mehr Spieler, die aber auch zu zweit gut funktionieren

Carcassonne

Zwei Spieler sind die beste Spielerzahl für Carcassonne, keine Diskussion. Darüber verliert es so viel an Strategie und es wird alles Zufall. Warnung: Wenn einer der Spieler ziemlich gut ist und der andere nicht ist es langweilig und frustrierend.

Agricola

Agricola funktioniert mit allen Spielerzahlen. Immer untschiedlich, aber immer gut.

Pandemie

Ist zu zweit am leichtesten und eigentlich auch meine liebste Spielerzahl für das Spiel. Zu zweit geht man das Risiko ein eine mistige Kombination von Rollen zu ziehen, man sollte sie also vielleicht auswählen statt zu losen.

Dominion

Großmutter aller Deckbauspiele und hat den Ruhm tatsächlich verdient. Man spielt sowieso die meiste Zeit aneinander vorbei, also ist es eigentlich egal, mit wie vielen Leuten man das spielt.

Die Legenden von Andor

Geschichtenerzählmaschine und superschweres kooperatives Spiel. Funktioniert zu zweit weder besser noch schlechter als mit mehr Spielern, je nach Legende wird es aber deutlich schwerer oder leichter.

Keltis

Eigentlich Lost Cities für bis zu vier Spieler. Funktioniert zu zweit trotzdem.

Far over the Misty Mountains Cold – Kann-so-lala-Gitarre-spielen-Edition

16.12.2014 - Keine Kommentare

Am Wochenende sah ich ziemlich viel Hobbit (ungefähr neun Stunden) und ich hab seit einiger Zeit eine Gitarre hier stehen mit der ich mäßig umgehen kann, also führte Eines zum Anderen und ich hab heute morgen mal zwei Stunden lang das hier eingespielt. Es ist wirklich nicht total scheiße, total zufrieden bin ich aber auch nicht unbedingt. Die harte Rhythmusgitarre ist zu laut, gegen Ende gibt es eine seltsame kurze Pause, es ist nicht alles perfekt eingespielt und man merkt, dass ich in der Mitte keine Lust mehr hatte und nur noch schnell ein Ende einspielen wollte. Ich hab übrigens keinen Bass und das ist eine Gitarre mit einem Bassverstärker in Garage Band. Close enough.

Trotzdem, hey, es ist okay, und für Dinge, die okay sind, habe ich auch eine ganz eigene Form von Stolz.

Wenn der Player oben nicht angezeigt wird, weil euer Gerät sowas gar nicht kann oder warum auch immer wie gerade hier bei mir ist hier der Direktlink zum Song.

Definitiv keine Hate Speech

26.08.2014 - 1 Kommentar

Facebook hat wieder ein Mal meine Beschwerde abgewiesen, als ich etwas als Volksverhetzung gemeldet habe. Ich weiß nicht, ob sich irgendjemand die Mühe macht, die Beschwerde überhaupt durchzulesen oder ob der Beitrag einfach nach „Nigger“ durchsucht wird und bei fehlenden Schimpfworten einfach automatisiert abgewiesen wird. Es würde vielleicht auch helfen, könnte ich einen Text zur Beschwerde verfassen, aber naja, das wäre ja sicher Arbeit. Es schrammt wahrscheinlich an strafrechtlicher Relevanz vorbei, stört aber massiv das freundliche Miteinander, wenn schon ich, der weißeste, männlichste und heterosexuellste Deutsche von allen, sich davon gestört fühlt. Ich zitiere den Beitrag jetzt im Ganzen – wer ihn verfasst hat und wie er zu mir kam soll nichts zur Sache tun.

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