Summer Breeze 2017

Wer bei meinem Twitter-Account aufpasst weiß, dass ich letzte Woche ziemlich lange auf einem Zeltplatz war. Und, dank der Kloflatrate, ehrlich gesagt sogar wo ich war: Auf dem Summer Breeze Open Air bei Dinkelsbühl. Es war zwar das zwanzigste Jubiläum, aber das erfuhr ich ehrlich gesagt erst, als ich die Tickets in der Hand hielt. Ich wurde einfach gefragt, ob ich denn mit möchte und hatte eh nichts vor. Ich habe dort viele tolle und weniger tolle Bands gesehen und mir sind ziemlich viele, seltsame Dinge passiert.

Bands

Wow, die stellen die Aufnahmen wirklich nicht auf ihren offiziellen YouTube-Kanal, huh?

Megadeth

Megadeth ist ja eine der Bands, die man mal gesehen habe sollte, Big Four und so. Ihre Musik ist natürlich absolut großartig und die Videos auf der Leinwand dazu waren ein besserer Zombiefilm als die letzten drei oder vier Staffeln The Walking Dead, aber … ich glaube, sie hätten lieber ohne Publikum gespielt? Abgesehen von einer oder zwei kleinen Ansagen war die Interaktion gleich Null und sie haben einfach ein Lied nach dem anderen gespielt und ich weiß ja auch nicht so recht, warum ich mir dafür jetzt die Füße in den Bauch gestanden habe, statt einfach die CD zu hören.

Excrementory Grindfuckers

Einige Personen waren wirklich verwirrt. Da standen Leute, welche die Band offensichtlich nicht kannten und sich aus dem Namen abgeleitet haben, dass es wohl eine Grindcore-Band sein müsse und dann schockiert von dem waren, was passiert ist. Eine der ersten Ansagen war „Mögt ihr Grindcore? (Publikum jubelt) Mögt ihr Techno? (Publikum jubelt) Okay, dann spielen wir jetzt Techno“ und sie haben dann erst mal Techno gespielt, was sicher überraschend kam, wenn man die Grindfuckers nicht kennt. Der Keyboarder trug goldene Hot Pants und ein Shirt von Oettinger (die Biermarke, nicht der Politiker) und eigentlich sagt das alles über den Auftritt. Es war das beknackteste Konzert, das ich je sah und wir hatten hinterher einen Ohrwurm von David Hasselhoff. 10/10, would grind again.

Sonata Arctica

Ich habe erst hinterher gemerkt, warum ich so verwirrt von ihnen war: Ich habe sie mit Lacuna Coil verwechselt. Alles, was ich über sie zu bemerken habe, ist, dass ich den Bart des Sängers nicht verstehe: Warum?

Fiddler’s Green

Sah ich nicht zum ersten Mal und auch nicht zum letzten Mal, was für die Band spricht. Die komplette Publikumsinteraktion, die Megadeth abging, wurde hier abgeliefert. Down und Perfect Gang habe ich zum ersten Mal live gesehen und ersteres ist ein ziemlicher guter Livesong, letzteres ist mir immer noch ein zu glattes Stimmungslied, aber irgendwas ist ja immer. Ich bin ein bisschen sauer, dass sie mich ohne Rocky Road To Dublin nach Hause schickten 1.

Terror

Wow, das waren echt wütende Menschen.

Wahrscheinlich bin ich jetzt auf irgendeiner Liste weil ich Depp „Terror“ in YouTube eingegeben habe.

Knorkator

An Knorkator hatte ich ziemlich hohe Erwartungen und rechnete deswegen schon fast damit, dass sie mich eigentlich nur enttäuschen können, aber nein: Es war noch viel besser. Sie fingen an damit, dass sie die Fotographen, die am Anfang jedes Auftritts vor der Bühne stehen, nach oben holten, kompliziert auf der Bühne aufstellten, damit alle einen Platz finden um sie dann anzuschreien, sie sollen sich verpissen und hätten dort nichts verloren. Und ab dort ging es dann bergauf. Bei einigen Liedern ließen sie sich von der großartigen Damenkapelle begleiten … nein, andersrum, Knorkator begleitete die Damenkapelle. Jedenfalls hat es das noch besser gemacht.

Ja, das ist das offizielle Musikvideo zu dem Lied und ja, das ist Till Lindemann.

Korn

Hier ist der Link zum Video. Fragt mich nicht, warum ausgerechnet dieses nicht richtig eingebunden werden kann. Seid bitte nicht enttäuscht, wenn ihr den Link anklickt und ihr dann nur Freak On a Leash hört.

Ich habe ja nichts gegen Korn, weiß aber auch nicht, warum da tausende von Leuten standen und sich offensichtlich freuten. Wir sind dann früher gegangen, um Fiddler’s Green von Anfang an sehen zu können. Ihre Lichtshow war nett, denke ich? Als der Sänger mit einem Dudelsack auf die Bühne kam – ich bin jedes Mal wieder überrascht, wenn mir bewusst wird, dass Korn einen Dudelsack hat – und ein wenig dudelte war das schon sehr unterwältigend. Damit können sie vielleicht woanders Leute begeistern, aber Dude, zwei Tage vor euch war In Extremo Headliner, da musst du dich ein bisschen mehr anstrengen. Hey, übrigens, Fun Fact: In Extremo haben den Dudelsack von Korn gebaut.

Mr. Hurley & die Pulveraffen

Zu diesem Auftritt gibt es eine Geschichte, die ich selbst nur aus zweiter Hand kenne. Letzte Jahr spielten sie auf dem Summer Breeze mitten in der Nacht auf einer winzigen Nebenbühne und alle haben sie gesehen. Sie haben damals den Besucherrekord dieser Bühne geknackt. In den letzten zwölf Monaten wurde dann die Facebook-Seite des Summer Breeze damit geflutet, dass sie auf die Hauptbühne gehören und dort waren sie dann auch. Zwar um 11 Uhr vormittags, aber es war wirklich viel los, alle waren textsicher und sie haben sich offensichtlich selbst wahnsinnig darüber gefreut, dort spielen zu dürfen. Und sie stehen halt auch zurecht auf einer Hauptbühne, denn sie sind großartig.

Betontod

Es war der heißeste Tag des Festivals, Nachmittags, die Eisverkäuferin hat sich dumm und dämlich verdient (ich hab ein Calippo Cola gegessen) und trotzdem blieben wir standhaft, um Betontod anzusehen. Ich bereue nichts (versteht ihr, VERSTEHT IHR???), aber ein bisschen schade finde ich es schon, dass sie in Interviews meistens sehr deutlich Stellung beziehen, sich dafür entschuldigen auf dem GOND gespielt zu haben, gegen Frei.Wild pöbeln und literally „Wir können nicht nochmal sagen wir hätten von nichts gewusst“ singen und dann ist das politischste Statement des Auftritts „Wer stehen bleibt ist ein Nazi“, als das Publikum sich setzen sollte. Naja.

Fällt euch in dem Video auf, wie sie offensichtlich keinen Wasserwerfer bekommen haben und einfach mit dem Gartenschlauch in diese niedliche Straßenschlacht spritzen?

Eluveitie

Eluveitie war nicht lange nach Betontod und mit Platzregen wetterlich das krasse Kontrastprogramm dazu, aber Eluveitie sind halt ziemlich gut und deshalb haben wir das auch gerne ausgehalten. Andersrum wäre es vielleicht praktischer gewesen, erst der Regen und dann heiß um zu trocknen.

Emil Bulls

Das ist so eine Band, über die ich total viel höre, aber von der ich kein einziges Lied kenne. Das sollte ich eventuell ändern, denn sie haben mir ziemlich gut gefallen. Auf der anderen Seite haben sie auch schon ein so großes Backlog, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll, also lasse ich es vermutlich.

Children of Bodom

Haben mir weitaus weniger Spaß gemacht als ich gehofft habe.

End of Green

Ich weiß nicht, ich sah die Bühne nicht und saß nur zufällig in der Nähe? Ich glaube, sie haben Hurt gespielt, kann das sein?

Epica

„Ich höre keinen Unterschied zu Nightwish.” Es stört mich nicht, dass Epica existiert.

Heaven Shall Burn

Keine Ahnung, was das mit Heaven Shall Burn ist: Ich höre die eigentlich gar nicht, kenne kein einziges Lied. Und jedes Mal, wenn ich sie live sehe finde ich sie absolut großartig und habe am nächsten Tag Nackenschmerzen. Der Dialekt des Sängers ist superlustig, außerdem ist es supersympathisch und ich will sein Freund sein.

Moonspell

Naja, sie waren gut, um etwas anderes zu tun statt ein zweites Mal zu Amon Amarth zu gehen, aber ansonsten würde ich … OMG HAT DER LASER AN DEN FINGERN BESTE BAND DES UNIVERSUMS

Haggard

Ich sehe Haggard ziemlich gerne, denn ich mag ihre Musik, habe zu Hause aber ein Problem mit ihnen. Ich fände sie vermutlich signifikant besser, wenn die Lieder kürzer wären. Da sind nämlich ein paar ziemlich gute dabei, aber ich hab meistens auch keine Lust jetzt acht Minuten lang das selbe Lied zu hören. Es ist kompliziert.

Amon Amarth

Amon Amarth sahen wir am ersten Tag, als sie eine Zusatzshow gaben, bei der sie vor allem alte und selten gespielte Lieder spielten, was toll ist, weil ich eh kein einziges Lied kenne und es für mich deshalb keinen Unterschied macht und ich mir ihre „normale“ Show schenken konnte! Bisher hielt ich sie für einen T-Shirt-Hersteller – habt ihr euch mal angesehen, wie viele Leute Amon-Amarth-Shirts tragen – und hatte keinerlei Bezug zu ihrer Musik. Und sie sind … wirklich langweilig? Hätten sie nicht ab und zu Ansagen gemacht hätte ich nicht gemerkt, dass gerade ein Lied aufhört und das nächste anfängt. Ich hoffe für alle Leute mit T-Shirts, dass das nur an einer schlecht eingestellten PA lag, denn es würde mir wirklich leid tun, müssten sie das tagein tagaus hören.

In Extremo

Spielten auch zwei Mal und ich habe sie mir auch zwei Mal angeschaut, denn zu deren Musik habe ich Bezug. Es ist schon irgendwie seltsam, dass ich ausgerechnet die Band, die mit dem Dudelsack-Rock-Zeug angefangen hat, noch nie live sah. In der Zusatzshow spielten sie auch überwiegend alte Lieder und ich freute mich, so Zeug wie Rotes Haar, Ai Vis Lo Lop oder Herr Mannelig zu hören. Der eigentliche Headlinerauftritt waren dann natürlich ihre bekannten Stimmungs-Rock-Songs und es war beides ziemlich gut.

Powerwolf

Was ist besser als Powerwolf? ÜBERRASCHUNGSPOWERWOLF! Spielten unangekündigt am ersten Festivaltag. Als wir vormittags auf dem Infield waren mussten wir ein paar Minuten stehen bleiben, weil ich aus dem Augenwinkel meinte gesehen zu haben, dass sie auf dem Spielplan standen und genau in dem Moment natürlich der Bildschirm auf irgendwas gewechselt hat und dann haben wir uns ziemlich gefreut, weil dort wirklich Powerwolf stand. Powerwolf sind auf genau die Art bescheuert, die ich bei Power Metal mag.

Dinge, die mir passiert sind und das Drumherum

Zeltplätze

Wow, die Autos wurden echt eng geparkt und deshalb war ziemlich wenig Platz pro Person. Fast wäre die Situation eskaliert und wir hätten uns schon am ersten Tag kriegerisch mit unseren Nachbarn auseinandersetzen müssen, aber irgendwie hat es dann doch noch ganz gut geklappt. Wir sind mittlerweile offensichtlich ziemlich gut darin, Pavillons zu sichern, denn obwohl es an zwei Tagen eine Unwetterwarnung gab ist nichts kaputt gegangen, es wurden nur ein paar Dinge nass. Es gab ziemlich viele asphaltierte Wege und wo es schlammig war wurden Mulch und Sägespäne gestreut, es war sehr erträglich.

Nutella und Maggi

Wenn das Summer Breeze Glasverbot sagt meint es Glasverbot. Bei der Einfahrt wurden alle Autos durchsucht, was ich so noch nie erlebt habe, und alles aus Glas wurde konfisziert (und angeblich an einen guten Zweck gespendet). Dass wir den Kaffee, das Nutella und die Marmelade in Müllsäcke umfüllen mussten war wirklich erniedrigend und dass wir das Maggi abgenommen bekamen sehr, sehr traurig. So eine Maggiflasche wäre sicher auch viel gefährlicher gewesen als die Gaskocher, Messer, Hämmer, Nietenarmbänder, Steine, Benzinkanister und Fußbälle, die sonst so auf dem Campingplatz rumgeflogen sind. Da alle außer uns Nutella und Maggi dabei hatten habe ich meine Lektion gelernt: Beim nächsten mal fülle ich meinen Schnaps nicht in PET-Flaschen, was ich brav tat, sondern verstecke mein Glas einfach besser.

Bestes Schild

Ich weiß, es ist total irrational, wie sehr ich mich darüber freue, aber ich lache immer noch ab und zu über die Person mit dem „DER WEG VONG 1 FREIHEIT“ Schild, das ich zum Glück in der Schlange sah, denn ich war gar nicht bei Der Weg Einer Freiheit.

Duschen

Irgendwann nachts um drei habe ich einen Zeitpunkt gefunden, zu dem ich duschen konnte, denn es war nicht so total viel los (wir waren nur vier Leute in einer Reihe aus sechs Duschköpfen!) und die Dusche ging zur Abwechslung mal, denn ansonsten war das Wasser entweder eiskalt, kochend heiß oder die Dusche war komplett gesperrt, weil irgendwas irgendwas Wasserdruck. Vom Weg aus sah man, wenn man wenigstens so groß war wie ich, bequem über den Zaun in die Frauendusche, was vielleicht auch so nicht gedacht war.

Toiletten

Wenn sie nicht gerade gesperrt waren (sie waren an die Duschen angeschlossen, irgendwas irgendwas Wasserdruck) musste ich oft eine halbe Stunde anstehen, um auf die Keramiktoiletten zu können, denn von acht Reihen Toilettenhäuschen waren zwei für Männer und der Rest für Frauen, was absolut keinen Sinn ergibt, denn es sind die exakt gleichen Kabinen und auf dem Infield gab es auch keine Unterteilung. Wenn sie gesperrt waren konnte ich meine 12€-Kloflatrate zu den Dixis tragen, bei denen sich am ersten Tag schon Leute beschwerten, dass es viel zu wenige sind und sie zu selten geleert werden. Die Kloflatrate kaufte ich mir übrigens, als ich mir am zweiten Tag morgens schon in den Mund kotzen musste als ich zum Dixi wollte.

Die Sanitärsituation war ziemlich unbefriedigend.

Fliesentisch-Imperium

WTF?

Knabbermix

Da heißt es immer Metalfestivals seien so friedlich und alle würden sich mögen und so und dann hat uns jemand einen halbvollen Knabbermix vom Tisch geklaut, während wir auf dem Infield waren. Anzeige ist raus. Die Salzstangen habe ich dann immer brav weggesperrt, bevor wir gegangen sind, bevor die Diebe uns auch noch das letzte Haar vom Kopf fressen!

Noch mehr Toiletten

Auf dem ganzen Festivalgelände gab es irgendwie 20 Porzelanklos für 40.000 Leute (und die Hälfte davon nur mit der Kloflatrate). Ansonsten gab es noch ein paar Dixis (Haha), die aber auch so unterdimensioniert waren, dass ich von anderen Gästen gehört habe, dass sie mehrere Male übergelaufen sind und die ganze Suppe aus Pisse, Kacke und Chemiklochemie den Hang runter vor eine der Bühnen gesuppt ist. Dann haben Leute auch noch von innen an den Zaun zwischen Konzertbereich und Klo gepisst was, wenn man kurz darüber nachdenkt, bedeutet, dass sie in den Konzertbereich und damit an die vorbeilaufenden Leute gepisst haben.

Die Sanitärsituation war wirklich unbefriedigend.

Zirkuszelt

Es gab vor dem eigentlichen Festivaleingang noch ein Zirkuszelt, in dem auch eine Bühne war, aber da durfte niemand rein. Tja. Also, irgendwer durfte schon rein, aber die meisten nicht. Blöd halt nur, dass die Sachen die da drin waren zusammen mit allem anderen angekündigt wurden und das Zelt auch einfach im Spielplan stand und ich erst ziemlich spät erfahren habe, dass ich dort gar nicht hin darf. Mimimi.

  1. Und ohne Blarney Roses, was ich bei einem Festivalauftritt aber auch verstehe.

One thought on “Summer Breeze 2017”

  1. Megadeth & Knorkator: stehen auf meiner Liste.

    Fiddler’s Green: (Y)

    Korn: Ich dachte schon, dass ich allein bin. Furchtbare Live-Band.

    Powerwolf: Ich will auch ÜBERRASCHUNGSPOWERWOLF!

    Emil Bulls: Smells Like Rock ‘n’ Roll / Worlds Apart / The Most Evil Spell / Here Comes the Fire / Nothing in this World / When God Was Sleeping / I Don’t Belong Here / Hearteater / Epiphany / Rainbows and Butterflies / The Knight in Shining Armour / Magnificent Lies / Pants Down / Revenge / Man or Mouse / Dancing on the Moon / 40 Days
    Wenn du lieber komplette Alben hörst: Phoenix / The Black Path
    Bitte Schön.

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